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Wunder Kind oder Wunderkind

Kennt ihr die Sendung „Mein Mann kann“? So kommt es mir manchmal bei Instagram aber auch in manchen Gruppen in Facebook vor, wenn ich höre, was gleichaltrige Kinder bzw. Babies schon so alles können.

Bela ist jetzt elf fast zwölf Wochen alt und kann… Kacka 😉
Spaß beiseite, ich freue mich über jeden Minifortschritt, aber groß was kann er wirklich noch nicht. Er lacht, er macht gutturale Laute (am liebsten wenn der Papa daheim ist, man hat dann das Gefühl, er würde ihm von unserem Tag erzählen), er trainiert seinen von Anfang an sehr kräftigen Stiernacken, macht die Hände auf und steckt die kleinen Speckhände in den Mund und er beobachtet viel seine direkte Umwelt von meiner Schulter/meinem Oberarm aus.
Wenn ich dann lese, was andere Kinder !angeblich! schon alles drauf haben bzw. mit teilweise 4-6 Wochen schon können: alleine spielen, zwölf Stunden durchschlafen, sich verständlich machen mit kleinen Gesten etc.

Dass Außenstehende, also Menschen, die entweder keine Kinder haben oder bei denen es seeeeeehr lange her ist, da keinen Bezug (mehr) zu haben, ist mir klar. Da sehe ich oft mit einem Lächeln drüber hinweg.
Ich bin zum Glück ein selbstbewusster Mensch und lasse mich von sowas nicht verunsichern. Aber warum müssen sich Mamas und Papas über so etwas profilieren? Kann man sich nicht​ über Minifortschritte freuen?

Ich glaube, in unserer Gesellschaft zählt immer mehr der Erfolg. Und dies eben immer früher. Also müssen Babies schon immer früher alles können. Ob greifen, drehen, sitzen, krabbeln, stehen, laufen, durchschlafen, richtig essen, sprechen: Mein Kind kann das schon seit…
Oftmals ist dieser Ehrgeiz aber nicht förderlich, nein sogar schädlich.
Denn zumeist können die Kinder viele Sachen noch nicht selbständig​, sie werden von den Eltern in diese Posen gebracht und es fehlt der eigene Erfolg.

Ein Beispiel: Wer möchte schon lernen zu sitzen, wenn Mama oder Papa einen hinsetzen. Klar, die Kleinen halten sich in dieser Position oft erstaunlich gut, denn die entsprechenden Muskeln funktionieren schließlich. Und wer einmal sitzt und diese neue Aussicht länger genießen kann, der möchte nicht mehr nur liegen. Aber wenn ich mich nicht selbst in diese Position“gearbeitet“ habe, dann weiß ich erstens den Weg dahin und aus der Position zurück nicht und zweitens habe ich keinen Anreiz dazu, schließlich sitze ich ja.

Ich denke, unsere Mäuse werden so schnell groß, lernen früh genug unheimlich viel und entwickeln sich weiter, wieso zu früh krampfhaft „fördern“?

Ich meine natürlich nicht, dass man mit seinem Kind nun nichts machen und es einfach nur rumliegen soll.

Wir gehen beispielweise einmal die Woche in PEKIP. Dort dürfen sich die Babies spielend bewegen und liegen nackig in einem warmen Raum und niemand verlangt etwas. Wir singen ein bisschen, die Mäuse werden angeregt, die Umwelt wahr zu nehmen durch Berührungen, Geräusche, Bälle oder Spiegel. Aber wenn man merkt, dass sein Kind gerade nicht mag, dann zieht man sich zurück, stillt etwa bei Hunger oder kuschelt etwas.

Ich habe mir jetzt Antworten zurechtgelegt, wenn mal wieder jemand fragt, was denn Bela schon kann:
– Kacka und Kotzi hat er perfektioniert
– Er lernt gerade Fahrrad fahren
– Im Moment kocht er gerade unser Abendessen
– Baby sein
– muss er denn etwas können?

Nein, außer von mir und seinem Papa geliebt zu werden, muss er derzeit nichts. Und über jeden Fortschritt, den er außerhalb dessen macht, freuen wir uns. Sei es ein Lachen, sei es eine Stunde abends nach dem Einschlafstillen alleine im Familienbett zu liegen, bis er nach Mama und Papa ruft oder sei es bei Oma und Opa auf dem Arm zu quietschen.

Lasst eure Kinder Kinder sein; der Erfolgsdruck und Konkurrenzkampf kommt früh genug!

Man liest sich!
One love
Lena

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